Ich will Oberbürgermeisterin in Altenburg werden


Im Rahmen des Kreisparteitages des SPD-Kreisverbandes Altenburger Land habe ich mich und meine Ideen für Altenburg den Genossinnen und Genossen vorgestellt. Meine Rede können Sie u.s. nachlesen. Mehr über mich erfahren Sie hier

 

Ich freue mich, wenn Sie mit mir ins Gespräch kommen wollen. 


Kreisparteitag des SPD-Kreisverbandes Altenburger Land

Samstag, 2.12.2017, Ratskeller Altenburg

Vorstellung der Kandidatin zur Wahl der Oberbürgermeisterin der Stadt Altenburg 2018, Katharina Schenk

 

Liebe Genossinnen und Genossen,

verehrte Gäste,

 

immer wenn ich in eine neue Stadt fahre, muss ich an eine Begebenheit aus meiner Studienzeit denken. Es ist schon einige Jahre her, aber das Erlebnis ist immer noch präsent.  

Ich war gerade in der Endphase meines Bachelorstudiums, als ich entschied, mich für das Masterstudium um ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung zu bewerben. Nach einer Reihe von Bewerbungsrunden erfolgte die Einladung zu einem persönlichen Gespräch. Das Gespräch sollte in Berlin stattfinden. Wie jeder gute Bewerber war ich natürlich viel zu früh los gefahren, um auch alle Eventualitäten des Zuspätkommens auszuschließen. Ich stand also – mit einem großen Zeitpuffer im Gepäck – am S-Bahnhof irgendwo in Berlin und suchte den richtigen Anschluss-Bus.

Wie es so meine Art ist – ich zähle eher zu den kontaktfreudigen Menschen – sprach ich einige Passanten an. Wobei ansprechen eigentlich schon zu viel gesagt ist. Ich versuchte – zunehmend irritiert - irgendwie Kontakt herzustellen zu vorbeieilenden Menschen, die Handy schauend, oder Kopfhörer abgeschirmt den S-Bahn-Hof passierten. Es gelang mir nicht.

Schließlich kaufte ich ein Wasser. Der Verkäufer musste mir zumindest einen Moment Aufmerksamkeit schenken, um mich abzukassieren, schnell die Frage nach dem richtigen Bus untergebracht und dann mit Wegbeschreibung und Wasser im Gepäck ab in den richtigen Bus.

 

Das Bewerbungsgespräch lief gut. Das Masterstudium auch, aber das nur am Rande.

 

Seit diesem Wege-such-Erlebnis habe ich mir vorgenommen, selbst nicht zu einem unansprechbaren Vorbeieiler zu werden. Wenn ich unterwegs bin, versuche ich zumindest die Umwelt nicht völlig abzuschirmen. Das ist manchmal schwierig, denn oft will man einfach nur noch abschalten, aber das Erlebnis hat mir so eindrücklich und erschreckend gezeigt, was passiert, wenn eine Gesellschaft nur noch aus Personen besteht, die um sich selbst kreisen, dass ich zumindest bei mir selbst mit einer kleinen Verbesserung anfangen wollte.

 

Auch in Altenburg habe ich vor einigen Monaten nach dem Weg gefragt. Ich hatte eben am „Kleinen Teich“ geparkt und irgendwie die Orientierung verloren. Anlass der Städtereise war wieder ein Bewerbungsgespräch. Diesmal ging es aber nicht um ein Stipendium, sondern um die Stelle der persönlichen Referentin bei unserem Oberbürgermeister, Michael Wolf.

Die erste Person, die ich ansprach erläuterte mir ausführlich den Weg und wünschte mir noch einen schönen Tag. Und das obwohl es nieselte und wir direkt vorm ACC, also nicht eben trocken und windgeschützt standen.

 

Als ich meinen Mann nach dem Bewerbungsgespräch anrief hatte ich zwei Botschaften:

Die Altenburger sind nett.

Ihr Oberbürgermeister ist es auch.

 

Das war im Sommer. Gut acht Wochen sind vergangen seit ich meine Stelle angetreten habe. Inzwischen muss ich immer seltener nach dem Weg fragen. Häufig allerdings muss ich die Frage beantworten, was denn nun aus meinem Weg wird.

Da holt der Herr Wolf Sie nach Altenburg und dann tritt er nicht mehr an. Sind Sie da nicht sauer?“

 

So oder so ähnlich wurde ich schon mehrfach angesprochen und ich kann euch sagen, als er mir seine Entscheidung mitteilte, war ich ähnlich überrascht wie ihr es gewesen seid. Noch überraschter aber war ich, als man mir den Vorschlag unterbreitete, wegen dem ich heute hier stehe.

 

Liebe Genossinnen und Genossen,

 

vor acht Wochen war noch nicht daran zu denken, dass ich heute hier stehe und eine Rede halte. Ich war sprachlos und mir schossen hunderte Gedanken durch den Kopf. Ich dachte, was vielleicht einige denken: zu jung, zu neu, zu wenig Erfahrung, um Altenburgs Oberbürgermeisterin zu werden.

Überlegend wurde mir klar - es gibt zwei Fragen, die sich die SPD in Altenburg stellen muss:

 

Erstens: Kann es gelingen, in große Fußspuren zu treten und gleichzeitig einen neuen Weg zu gehen? Denn das ist die Voraussetzung, um einen Kandidaten oder eine Kandidatin aussichtsreich ins Rennen um das Rathaus zu schicken.

 

Zweitens: Kann Sie es?

 

Ich habe lange überlegt. Einige, die heute hier sind, haben mir Ihren Rat gegeben. Einige, mit denen ich in Leipzig und Sachsen lange Politik gemacht habe, haben sich Zeit genommen und über Altenburg und eine mögliche Kandidatur meinerseits nachgedacht. Ausnahmslos jede und jeder hat mir zugeraten diesen Weg zu gehen.

Ich bin heute hier, um euch zu sagen, warum ich beide Fragen für mich mit ‚ja‘ beantworten kann.

 

Ja, es ist möglich und auch richtig in Fußspuren zu treten und dabei einen eigenen Weg zu gehen.

Ich bin keine Altenburgerin. Ich wohne in Leipzig – noch, muss man zwar sagen, aber es gilt. Den Leipzigern - so sollte man meinen - sollte die nur 40 Minuten entfernte Skatstadt bekannt sein. Vertraut aus Tagesausflügen, genauso wie Halle oder Delitzsch. Sie ist es nicht. Kaum einer meiner Freunde wusste, wie nah Altenburg ist, als ich ihnen von meinem neuen Job berichtete.

Während sie pendeln nach Berlin oder Halle vollkommen normal finden, erschien ihnen eine Reise nach Altenburg wie eine kleine Weltreise. Inzwischen bin ich also oberste Botschafterin Altenburgs.

Altenburg fest in den Köpfen der Umlandbewohner zu verankern, war schon nach wenigen Stunden hier mein Antrieb - und ist es nun noch mehr. Altenburg ist schön.

 

Ab Februar wird Altenburg das neue zu Hause meiner Familie sein. Ich habe mich gleich verliebt – in das Kopfsteinpflaster, die Brücke zum Inselzoo, die hunderten Quadratmeter Gartenparzellen und die glänzende Schweineschnauze am Skatbrunnen. Altenburg übertrifft viele andere Mittelzentren mit einer außergewöhnlich guten sozialen Infrastruktur. Zufrieden sind viele Altenburgerinnen und Altenburger oft trotzdem nicht.

Ich habe den Blick von außen. Von außen kann ich sagen: Es ist Vieles gut. Und es kann Vieles noch besser werden. Das Wachstum des Oberzentrums Leipzig - den ich als Leipziger Stadträtin aktiv mitgestalten und als junge Familie aktiv miterleben darf - kann auch auf Altenburg ausstrahlen.

Altenburg kann zur beliebten Wohnstadt werden. Altenburg kann zeigen, dass es eine stolze Bürgerstadt ist. Altenburg kann Heimatstadt sein, für die die da sind und die, die dazu kommen werden.

 

Ich empfinde es als eine Stärke den Blick von außen mit der Erfahrung von innen zu kombinieren. Durch langjährige politische Arbeit in den verschiedenen Gremien der Partei und im Leipziger Stadtrat habe ich Erfahrung gesammelt. Als Teil einer Verwaltung lerne ich weitere Facetten kennen. Es entsteht ein rundes Bild. Den Blick von außen und die Erfahrung von innen will ich für Altenburg nutzen.

Ich ziehe aus Überzeugung hierher, denn Altenburg hat viel zu bieten, dass gerade junge Familien begeistern kann. Hier wartet man nicht auf einen Platz an der Musikschule, hier kann man noch darauf vertrauen nicht mit 40 weiteren Interessenten vor einer Wohnung Schlange zu stehen.

 

In den vergangenen Jahren wurde viel getan, um Altenburg gut aufzustellen. Die Schulden sind drastisch gesunken. Leerstand wurde entschlossen abgerissen, saniert und umgenutzt. Es sind neue Quartiere entstanden, Firmen haben sich angesiedelt und weiterentwickelt. Es gibt kulturelle Highlights und einen steten Strom von Touristen. Es gibt ein sicheres Schulnetz und ausreichend Kita-Plätze.

Aber: Vieles von dem, was gelungen ist, wird nicht mehr gesehen, wenn der Wahlkampf anhebt. Dankbarkeit und das ehrliche Bilanz ziehen, sind keine Tugenden mehr unter Demokraten.

Euch muss ich nicht sagen, dass wir glücklich und stolz sein können, wenn wir auf die Dinge blicken, die in Altenburg erreicht wurden. Trotzdem oder gerade deshalb muss es nachdenklich stimmen, wenn die Altenburger keine überzeugten Botschafter ihrer Stadt sind.

 

Ich bin überzeugt davon, dass wir vom Wachstum des Oberzentrums Leipzig profitieren können. Ich bin auch überzeugt, dass es innere Stärken in Altenburg gibt, die wir noch stärken können. Die Altenburgerinnen und Altenburger sind die, die wieder stolz sein müssen auf ihre Stadt. Dass es dafür Anlass gibt, dass kann ich gerade mit dem Blick von außen sagen. Ein klare Botschaft an die Bürger muss aber auch wieder sein: Ihr werdet gehört. Bürgeranliegen, Bürgerbeteiligung, Bürgerstadt. Eine Gemeinschaft ist nur so stark wie ihre Glieder.

Ich will Altenburg zur Bürgerstadt machen, mit einer Verwaltung, die den Service-Gedanken groß schreibt. Es gibt viele Felder auf denen wir aktiv werden können. Sei es ein aktives Kinder- und Jugendparlament, seien es erste Schritte im Bereich E-Government, sei es eine Fortsetzung in den Bemühungen um noch mehr Familienfreundlichkeit, sei es eine Stärkung des Ehrenamts – im Kleingarten, im Sportverein, in sozialen Bereichen – sei es ein lebendiger Dialog mit den Ortsteilen, die diese Stadt prägen und formen.

Altenburg, die Stadt voller überzeugter Bürgerinnen und Bürger, die im Pendlerzug am Freitagabend in Leipzigs Fußballstadion fahren und zum gestressten Messestädter sagen „Zieh zu uns, da sparst Du viel und gewinnst alles.“

 

Ich selbst mache es so. Ich will und werde Beleg dafür sein, dass Altenburg auch eine fabelhafte Wohnstadt ist. Ja, wir müssen auch für Investoren attraktiv bleiben. Es kann aber nur verwundern, wenn diejenigen, die die letzten Jahre Beschlüsse im Stadtrat jeweils mitgetragen haben, nun für einen Kurswechsel werben. Frischer Wind ist gut, wenn er nicht nur dem Namen nach neu ist. Ein Generationenwechsel ist das Überzeugendste was man tun kann, wenn man wirklich neue Ideen umsetzen will.

 

Die noch nicht überfüllten Gewerbegebiete der umliegenden Großstädten lehren aber auch, dass der Weg noch lang ist. Wirtschaftsförderung ist ein Dauerlauf. Wichtige Schritte, wie die Beseitigung weißer Flecken in Sachen Breitband werden gerade gegangen. Wir haben jedoch keine Zeit zu verlieren, wenn es um die Ausschöpfung unserer Potenziale geht. Warum also nicht zunächst auf die Gewinnung von Neubürgerinnen und Neubürgern setzen?

 

Mit hochwertigen und mit sozialem Wohnraum, mit erschlossenem Bauland, mit einer klaren Kampagne in den umliegenden Oberzentren, mit Zwischennutzungen kann Altenburg die Nase im Wettstreit um die Wohnstandorte vorn haben.

Wer hier eine Wohnung sucht, der wird noch fündig. Begrüßen wir doch künftig alle Neubürger ganz persönlich, laden wir sie mit einem frischen Webauftritt ein, veranstalten wir Stadtführungen nur für Neubürger. Altenburg hat ein gutes Blatt – es ist an der Zeit dieses mit neuer Energie auszuspielen.

Altenburg kann auf diese Weise Heimatstadt sein und werden. Altenburg kann sich weiter bemühen, um eine Fachhochschule oder Außenstelle. Die Stadt kann attraktive Ausbildungsplätze schaffen und den Wirtschaftsstandort stärken.

Altenburg kann investieren und die dafür notwendigen Mittel gerade als SPD-geführtes Rathaus mit mehr Nachdruck auf Landesebene einfordern. Es kann nicht sein, dass anderswo die Kassen sprudeln, während Kommunen Stellen abbauen, um den Haushalt rund zu kriegen. Meine Gremienerfahrung will ich nutzen, um die Weichen entsprechend zu stellen. Altenburg braucht mehr Gehör auf Landesebene.

 

Es gibt in Altenburg einiges was man noch anpacken kann. Es gibt einiges, was so weitergeführt werden muss, wie es angefangen wurde. Ich will – mit eurer Unterstützung und eurem Vertrauen – das Rathaus erneut für die SPD gewinnen.

 

Bürgerstadt, Heimatstadt, Wohnstadt – das kann Altenburg sein und soll es werden. Mit dem Blick von außen und der Erfahrung von innen kann es gelingen die Stärken zu stärken. Ich bin Botschafterin dieser Stadt – aus voller Überzeugung. Es gilt anzupacken, dass es alle Altenburger werden.